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Das Pferd - Der Spiegel deiner Seele

19. Sept. 2024
3 Min. Lesezeit

Mein Pferd weiß oft schon, wie ich drauf bin, da sitz ich noch im Auto am Stallparkplatz. Er spürt diese gewissen Vibes. - „Uhhh, heut ist schlechte Stimmung!“



Bescheiden geschlafen, scheiss Tag in der Arbeit. Miese Laune einfach. Naja… Vielleicht hilft ja ein bisschen Reiten.


Ich möchte mein Pferd holen. Ein kleines Lächeln zeigt sich auf meinen Lippen. Aber nur kurz. Hab ja miese Laune. Er frisst mit seinen Kumpels. Seine Ohren gehen in meine Richtung. Aha… er hat mich also schon bemerkt. Aber sonst, keine Reaktion. Kein freundliches Hallo-Blubbern. Kein Blick. Nichts… Super. Geht also auch hier schon gut los.


Ich leg ihm das Halfter um und bitte Ihn mitzukommen. Zwei Schritte. Stehen bleiben... Na gut. Vielleicht „muss“ er ja noch kurz… Nein, doch nicht. Also weiter… Komm schon. Komm mit. Drei Schritte. Stehen bleiben. Ich merke wie mir die Wut hoch kommt. Ich atme tief ein und aus. Puh. Ok. Also nochmal. Komm mein Großer.

Nach langem hin und her und nachtreiben mit dem Führstrick sind wir endlich am Putzplatz angekommen. Jetzt noch rückwärts einparken und dann geht’s los.


„Rückwärts einparken??? Nö, heut nicht mit mir!“


Hat mein Pferd über Nacht verlernt gerade rückwärtszugehen? Ich merke wieder, wie es mir heiß aufsteigt. Das kanns doch nicht sein. Warum läuft heute nichts so wie ich es WILL.

Na gut. Dann stehst du eben schief am Putzplatz. Hauptsache du stehst. Dann mach ich mich ans Putzen. Zugegebenermaßen ziemlich lustlos. Zum Schluss noch Hufe auskratzen.


„Hufe geben? Freiwillig? Bei deiner Laune? Nö!“


Ahhh. Lass dein Bein da. Bitte…. Ich schwitze. Meine Laune noch weiter im Keller. Und ich sitz noch nicht mal im Sattel.

Nach weiteren 20 Minuten sind wir endlich am Reitplatz. Vom Weg dorthin möchte ich jetzt gar nicht reden. Ich sag nur ein Schritt vor, zwei zurück.

Beim Herfahren hab ich mich noch ein kleines bisschen aufs Reiten gefreut. Jetzt hab ich eigentlich null Bock. Aber schließlich ist jetzt der Sattel drauf und wenn’s schon so anstrengend war bis hier her, setzt ich mich auch aufs Pferd. Punkt.


„Stehen bleiben an der Aufsteighilfe? Haha… nicht mit mir.“


Puh. Jetzt reicht es mir aber langsam. Nicht mal aufsteigen klappt heute. Ich pampe ihn wütend an. „Verdammt noch mal jetzt lass mich rauf und ein paar Runden drehen. Wenigstens das soll mir heut vergönnt sein.“ Kaum waren die Worte raus, taten sie mir schon wieder leid. Kann ja er nichts dafür.

Endlich sitz ich dann im Sattel schon prescht er los. Hallo??? Seit wann gehen wir los wenn DU es willst und nicht ICH es sage? Heut klappt einfach nichts. Gar nichts.


Nach einer halben Stunde steig ich ab. Gefrustet. Noch wütender als zuvor. Noch mieserer Laune als zuvor. Und mein Pferd ist jetzt auch noch stinkig. Als wär heut unser erster Tag im Sattel. Katastrophe.

Das sag ich ihm auch. „Kannst du den heute gar nichts? Nicht mal eine gerade Linie gehen, geschweige denn vernünftig zu traben oder zu galoppieren?“

Jetzt bereue ich die Worte nicht. Dafür bin ich zu wütend.

Wir gehen wieder zurück zum Putzplatz. Sattel ab. Kratz nur noch schnell Hufe aus und dann wieder ab zu den anderen Pferden.


Auf dem Weg dorthin begegne ich einer Stallkollegin. Sie grüßt mich freundlich und fragt wies mir geht. Ich sag knapp Hallo und dass heut ein scheiß Tag ist und nicht mal das Reiten funktioniert weil mein Pferd miese Laune hat.

Sie sieht mich an und lacht. Toll, das macht meine Laune nicht besser. Ich will schon weiter gehen, da sagt sie: „Weißt du Alex, ich glaube nicht, dass Sunny heut miese Laune hat. Er zeigt dir nur wie du drauf bist. Schließlich sind Pferde der Spiegel unserer Seele.“ Sie geht weiter.

Ich denk kurz nach. Stimmt. Wenn ich so überlege, zeigt mir Sunny heute genau meine Laune. Und je mehr ich will umso weniger bekomm ich.


Wir gehen rein zu seinen Kumpels. Ich nehme Sunny das Halfter ab und entschuldige mich. Dafür, dass ich meine Laune an ihm ausgelassen habe. Dafür, dass ich überhaupt heut gekommen bin und verlangt habe, dass er meine Stimmung wieder besser macht. Ich streiche ihm über seinen Kopf und er stubst mich an. Dann nochmal. Etwas heftiger. Ich würde sagen, sogar etwas neckisch. Ich muss lachen. Ehrlich lachen. Schaue Sunny in die Augen und denk mir, ach was bist du für ein tolles Seelenpferd.

Er blinzelt kurz mit den Augen und geht in Richtung seiner Pferdekumpels. Nach ein paar Meter bleibt er nochmal stehen und schaut kurz zu mir um, bevor er weiter geht.


„Ach Tussi, mit dir hat man‘s aber auch nicht immer leicht. Leb doch einfach den Moment. Und genieße. Aber irgendwann werde ich dir das schon nochmal beibringen.“

 
 
 

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